Was ist Autismus?

Autismus wird als Autismus-Spektrums-Störung (ASS) bezeichnet.

Früher wurde ASS unterteilt in den Frühkindlichen Autismus, Asberger-Syndrom, Atypischen Autismus... heute fasst man das alles zusammen in ASS, denn es gibt viele fließende Übergänge. ASS kann in vielen unterschiedlichen Schweregraden auftreten, dies soll der Begriff „Spektrum“ verdeutlichen.

Bei allen Formen von ASS gibt es drei Hauptkriterien (Trias genannt):

  1. Eingeschränktes Kommunikationsverhalten
  2. Eingeschränkte Interessen und Stereotypien
  3. Eingeschränktes und ungewöhnliches Interaktionsverhalten

1. Eingeschränktes Kommunikationsverhalten

Es gibt einzelne Formen von ASS bei dem der Wortschatz und die funktionelle Sprache sehr gut ausgeprägt sind (Asberger-Syndrom) jedoch bleiben circa 50 % der ASS Betroffenen ohne ausreichende Förderung nonverbal.

Typische Symptome der gestörten Sprachentwicklung von ASS:

  • Ironie und Sprichwörter können sie nicht verstehen (z.B. „Ich mache mich auf die Socken“)
  • Keine sinngemäße Verwendung von Pronomen (Ich)
  • Wortneuschöpfungen (Neologismen)
  • Ständige Wiederholungen von Gehörtem (Echolalien)
  • Fehlende Gestik und Mimik und diese kann auch nicht bei anderen gedeutet und verstanden werden (z.B. keine Erwiderung eines Lächeln)
  • Sehr monotone Sprache, seltsame Betonung
  • Bedürfnisse werden durch unangemessenes Verhalten mitgeteilt (schreien, weinen...)

2. Eingeschränkte Interessen und Stereotypien

Es werden häufig ähnliche Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten bei ASS beobachtet. Die Wiederholung von Bewegungen oder Handlungen haben auf ASS Patienten oft eine beruhigende Wirkung, daher kommt es zu intensivem Schaukeln oder sich immer wieder wiederholenden Handlungen z.B. Sand rieseln lassen oder Gegenstände sortieren o. ä.

Oft suchen ASS Patienten auch gezielt starke Reize z.B. Trampolin springen oder sich unter Matratzen legen, denn viele ASS Betroffene scheinen weniger Schmerz zu empfinden.

Abgesehen davon kommt es auch zu starken Abneigungen gegenüber bestimmten Reizen (z.B. bestimmte Farben, Gerüche oder Stoffe).

Es kann auch zu sogenannten „Inselbegabungen“ kommen. Das bedeutet, dass man ungewöhnlich viel über ein bestimmtes Thema weiß, dies ist jedoch eher die Ausnahme.

Für ASS Betroffene sind bestimmte Rituale und eine genaue Routine wichtig. Veränderungen im Tagesablauf oder anders angeordnete Gegenstände können zu Irritationen und Wutausbrüchen führen.


3. Eingeschränktes und ungewöhnliches Interaktionsverhalten

Der Soziale Rückzug in die eigene Welt wird oft als Hauptkriterium von Autismus angesehen. Die Kontaktaufnahme und das Spielen mit anderen Menschen ist für ASS Betroffene sehr schwer und kaum möglich. Spiele wie „so tun als ob“ fehlen meist komplett. Regeln und Normen werden schlecht verstanden. Es ist Menschen mit ASS nicht möglich sich in andere Blickwinkel oder Standpunkte hinein zu versetzten. Es ist schwer zu verstehen, dass andere Menschen auch andere Gedanken und Gefühle haben können, daher ist es schwer Freundschaften aufzubauen und diese zu erhalten. Es kann bei ASS Betroffenen zur Vermeidung von Blick- und Körperkontakt kommen, viele lieben es jedoch auch, gekitzelt zu werden oder mit anderen zu toben. Außerdem kann es zu einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus kommen, oder anderen Verhaltensauffälligkeiten die das Familienleben stark belasten können.


Was kann man machen bei ASS?

Es gibt für ASS Patienten viele unterschiedliche Therapiemethoden und Fördermöglichkeiten. Es muss jedoch für jeden Betroffenen individuell beurteilt werden, welche Möglichkeiten/Fähigkeiten vorhanden sind und wo man am besten mit der Therapie ansetzen kann. Ziele werden ganz individuell gesetzt und es sollte im Kontakt mit den Mitmenschen entschieden werden, was für die weitere Entwicklung wichtig und relevant ist, und danach sollte über die Ziele und die Ansatzmöglichkeiten entschieden werden.

Es gibt Therapie Programme wie TEACCH, ABA, unterstützte Kommunikation (mit einem Talker, Gebärden oder Symbolen), tiergeschützte Therapieformen und vieles mehr.

Therapeuten für ASS Patienten sind meist neben den Logopäden auch Ergotherapeuten und/oder Physiotherapeuten.


An wen kann ich mich bei Verdacht auf ASS wenden?

Erste Anlaufstelle in Hannover ist das SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum Hannover) oder ein niedergelassener Kinder- und Jugendpsychiater.

Weitere Informationen und Fördermöglichkeiten gibt es auf der Seite des AZH (Autismus Zentrum Hannover).

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