Selektiver Mutismus

Die Bezeichnung selektiver Mutismus beschreibt das Verhalten eines Kindes, das in einigen Situationen alltagsgerecht kommuniziert, aber in anderen Situationen oder gegenüber bestimmten Personen stumm bleibt. Diese Störung ist häufig mit besonderen Persönlichkeitsmerkmalen verbunden wie übermäßiger Schüchternheit, sozialem Rückzug, Regulationsstörungen des Schlafes, der Nahrungs- und Ausscheidungskontrolle oder Wutanfällen. Häufig wird sie auch von Sprech- und Sprachentwicklungsstörungen begleitet. Eltern werden in der Regel mit der Aufnahme ihres Kindes in den Kindergarten oder in die Schule zum ersten Mal auf das Schweigen angesprochen. Dann stehen sie häufig vor einem Rätsel, denn Zuhause spricht Ihr Kind völlig normal und ohne Hemmungen.


Wann sollten Eltern sich beraten lassen?

Zeigt das Kind eine oder mehrere der folgenden Auffälligkeiten, so ist eine erhöhte Aufmerksamkeit angebracht:

  • Das Kind schweigt gegenüber bestimmten Menschen oder in speziellen Situationen.
  • Das Kind hört schlagartig auf zu sprechen, wenn fremde Personen auftauchen.
  • Das Kind hat Angst, sich körperlich zu erproben (Fahrrad fahren, Schwimmen, Klettern).
  • Das Kind hat Angst, im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen. Es sorgt sich darum, wie es auf andere Personen wirkt.
  • Das Kind hat Angst vor körperlicher Nähe zu Fremden, Angst alleine zu schlafen oder zeigt gelegentliches Bettnässen.

Wenn Sie sich Sorgen um die kommunikative Entwicklung ihres Kindes machen, sollten Sie den Kinderarzt, einen Kinderpsychologen oder auch eine Beratungsstelle, wie z. B. Sozialpädiatrische Zentren, Frühförderstellen oder Sprachambulanzen in Gesundheitsämtern aufsuchen. Bitten Sie dort um eine logopädische Untersuchung des Kindes und nehmen Sie anschließend mit uns Kontakt auf. Eine frühe therapeutische Intervention ist besonders wichtig, um einer Chronifizierung des Schweigens und damit einhergehenden psychosozialen Konsequenzen entgegenzuwirken. Auch ist die Prognose, den Mutismus zu überwinden, je günstiger desto früher ein selektiv mutistisches Kind erfasst und einer Therapie zugeführt wird.


 Wie behandeln wir Kinder mit einem selektiven Mutismus?

In der logopädischen Therapie lernt das Kind zunächst, außersprachlich mit einer ‚fremden‘ Therapeutin in Kontakt zu treten. In einer spezifisch auf das Kind abgestimmte Therapie erhält es Gelegenheit, seine kommunikativ-pragmatischen Kompetenzen zu erweitern und auch außerhalb der Familie zu erproben. Wir arbeiten in unserer Praxis nach dem Ansatz der SYMUT (Systemischen Mutismus-Therapie nach Boris Hartmann). Bei der SYMUT wird der Ist-Zustand des Kindes zum Ausgangspunkt eines in kleinen Schritten vorgenommenen Neuaufbaus von Sprechen und emotionaler Bewältigung von sozialen Situationen. Dabei ist die Beratung und Einbeziehung der Eltern, aber auch anderer Systeme wie Kindergarten, Schule etc. durch begleitende Elterngespräche bzw. aufsuchendes Networking unerlässlich.

Haben Sie weitere Fragen zum selektiven Mutismus und seiner Behandlung, stehen wir Ihnen sehr gerne in einem Beratungsgespräch zur Verfügung. Auch empfehlen wir Ihnen die folgenden Internetseiten:

http://www.mutismus.de/

http://boris-hartmann.de/de/mutismus/was-ist-mutismus.html

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